Hindemith schreibt am 10. März 1933 seinem Verleger Willy Strecker: "Nach allem, was ich hier im Musik- und Theaterbetrieb sehe, glaube ich, daß alle Theaterposten in Kürze mit stramm nationalen Jungs besetzt sein werden. Im nächsten Frühjahr, nach Überwindung der ersten Schwierigkeiten, dürften dann die Aussichten für eine Oper von Penzoldt und mir sehr gut sein."
Hindemith irrte. Im April 1933 teilte ihm der Schott-Verlag mit, daß die Hälfte seiner Werke von nationalsozialistischen Beamten als "kulturbolschewistisch" eingestuft und ihre Aufführung - inoffiziell - verboten sei. Trotz zahlreicher Schikanen und denunzierender Artikel harrt Hindemith aus, immer in der Hoffnung, das nazistische Regime sei nur von kurzer Dauer. Mit Aufführungsverbot belegt, verlegte er die Auftritte mit seinen jüdischen Triogenossen Szymon Goldberg und Emanuel Feuermann ins benachbarte Ausland. Dem Rückzug aus dem Öffentlichen folgte eine Besinnung auf das Problem der Verschränkung von Kunstschaffen und Politik. In seiner Oper Mathis der Maler, zu der er selbst den Text schreibt, reflektiert er zwar politische Ereignisse (Bücherverbrennung), doch geht es ihm in dieser Oper um die hohe Verantwortung des Künstlers gegenüber seinen Mitmenschen und der Kunst. Alles Persönliche und Zeitliche treten hinter diese moralisch-ethischen Ideen zurück.
In der Hoffnung, die Oper eines Tages in Deutschland aufführen zu können, warteten Hindemith und seine Verleger ab, gerieten aber in das Dickicht unterschiedlicher Machtinteressen einzelner Nazi-Organisationen.
Teile seiner Oper faßte Hindemith zu einer dreisätzigen Symphonie zusammen. Am 12. März 1934 wurde diese Mathis-Symphonie in Berlin von den Berliner Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler mit sensationellem Erfolg aufgeführt. In seiner Arglosigkeit glaubte Hindemith nun, daß sich eine positive Klärung seiner Position im "Dritten Reich" herbeiführen ließe. Im November 1934 publizierte Furtwängler in der Deutschen Allgemeinen Zeitung einen Artikel "Der Fall Hindemith", worin er vehement für Hindemith eintritt und einen politischen Freiraum für die Kunst beansprucht. Prompt reagierte Joseph Goebbels auf der Jahrestagung der Reichskulturkammer am 6. Dezember 1934 im Berliner Sportpalast. Ohne Hindemith namentlich zu nennen, apostrophiert er ihn als "atonalen Geräuschemacher" und verkündet: "Denn der Nationalsozialismus ist nicht nur das politische und soziale, sondern auch das kulturelle Gewissen der Nation." Hindemith wurde auf unbestimmte Zeit von seinen Aufgaben als Kompositionslehrer an der Berliner Musikhochschule beurlaubt. Um den zunehmenden Diffamierungen zu entgehen, nahm Hindemith ein Angebot der türkischen Regierung an, das Musikleben in der Türkei nach europäischem Vorbild aufzubauen. Zwischen 1935 und 1937 reiste er viermal in die Türkei und begann mit der Organisation des türkischen Musiklebens. Verstärkt hält er nun Ausschau nach Möglichkeiten, im Ausland zu wirken.
Das offizielle Verbot, Hindemiths Musik in Deutschland aufzuführen, erging im Oktober 1936 nach einer Aufführung der 1935 entstandenen Violinsonate in E durch den Pianisten Walter Gieseking und den Geiger Georg Kulenkampff. Hindemiths Entschluß, Deutschland zu verlassen, war nur noch eine Frage der Zeit.
Am 22. März 1937, dem Tag seines Aufbruchs zur ersten Amerika-Reise, reicht Hindemith seine Kündigung an der Musikhochschule ein. Im September 1938 ziehen die Hindemiths in die Schweiz, wo sie sich ein Berghäuschen in dem kleinen Dorf Bluche ob Sierre, im oberen Rhône-Tal gelegen, kaufen.
Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sorgen sich die Hindemiths zunehmend um die Sicherheit der Schweiz. Von Freunden gewarnt, verläßt Hindemith im Februar 1940 Europa, um in den USA Lehrangebote an Universitäten bzw. Colleges anzunehmen. Im September 1940 folgt ihm seine Frau Gertrud.
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